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Analyse der Bettenauslastung in Nordrhein-Westfalen, Teil 1: Sekundärdatenanalyse

Auftraggeber: Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen

Bearbeiter: Dr Matthias Offermanns  

Beginn: März 2015

Ende: Februar 2016

Hintergrund

In der gesundheitspolitischen Diskussion wird oft mit einer geringen durchschnittlichen Bettennutzung argumentiert, um beispielsweise einen Abbau von Krankenhausbetten zu legitimieren.

Die vorliegende Untersuchung geht der Frage nach, ob diese Sichtweise gerechtfertigt ist und versucht auf empirischer Basis eine objektive Diskussionsgrundlage zu schaffen. Schon ohne eine umfassende Analyse ist in der Krankenhauslandschaft aber das Wissen darüber verbreitet, dass die Bettenauslastung nicht nur während des Jahres stark variiert, sondern auch zwischen den einzelnen Wochentagen. Der durchschnittliche Bettenauslastungsgrad darf daher den Blick nicht auf die schwankende Belegung verstellen, die es erforderlich macht, eine höhere Bettenzahl vorzuhalten als es ein Mittelwert auszudrücken vermag.

Die vorliegende Untersuchung orientiert sich an der Beantwortung der folgenden Forschungsfragen:

  1. Wie verändert sich die Belegung im zeitlichen Verlauf (Jahresverlauf, Wochentage, Ferien und Feiertage)?
  2. Welchen Einfluss hat das Fachgebiet auf die Belegung?
  3. Kommt es bei Einhaltung der Bettennutzungsvorgabe zu Belegungen von über 100 %?

Methodik

Für die Untersuchung werden die Belegungstage der einzelnen somatischen Fachabteilungen aus den Daten nach § 21 KHEntgG des Jahres 2012 für Nordrhein-Westfalen ermittelt. Die Zuordnung zu den Fachabteilungen erfolgt stundengenau unter Berücksichtigung interner Verlegungen. Es erfolgt kein Abzug für Bettenwechselzeiten oder Bettensperrungen aufgrund von Isolation oder Unterbringung von Begleitpersonen. Die Zahl der Betten je Fachabteilung wird dem Krankenhausverzeichnis des Statistischen Bundesamtes (destatis) für das Jahr 2013 entnommen. Multipliziert mit 366 erhält man näherungsweise die Kapazität an Bettentagen für das Jahr 2012. Die Auswertung erfolgt für die 12 Fachgebiete mit den höchsten Belegungszahlen. Berücksichtigt werden für Nordrhein-Westfalen hierbei 1.322 von 1.405 Fachabteilungen (94,1 %) und 25,6 von 27,3 Millionen Belegungstagen (93,1 %) für 3,98 von 4,27 Millionen Fällen (93,2 %), die für 2012 vom Statistischen Landesamt IT.NRW ausgewiesen werden.

Ergebnis

Folgende Ergebnisse ergeben sich aus der empirischen Analyse:

  • Der zeitliche Verlauf der Bettenbelegung ist abhängig von der Jahreszeit, dem Wochentag, den Ferien und Feiertagen sowie dem Anteil von Elektivleistungen und dem jeweiligen Fachgebiet.
  • Die Bettennutzung unterscheidet sich erheblich zwischen verschiedenen Fachgebieten. In einzelnen Fachgebieten werden die Bettennutzungsvorgaben deutlich überschritten (Neurologie und Geriatrie), sodass die zusätzliche Vorhaltung von Betten als Sicherheitsreserve erforderlich ist.
  • Auch Krankenhäuser, deren Auslastung sich im Rahmen der Bettennutzungsvorgaben befindet, zeigen an vielen Tagen im Jahr eine Auslastung von über 100 %. Beispielsweise liegt die durchschnittliche Bettenauslastung in der Inneren Medizin zwar genau bei der Bettennutzungsvorgabe von 80 %. Dennoch wird an 12,9 % der Belegungstage eine Auslastung von über 100 % erreicht
  • Kleinere Abteilungen haben tendenziell eine geringere durchschnittliche Auslastung bei stärkeren Abweichungen im Zeitverlauf. Sie brauchen zum Ausgleichen von Spitzenbelastungen prozentual größere Reserven (geringere Bettennutzungsvorgaben) als größere Abteilungen.

Die durchschnittliche Belegung ist ein Mittelwert, der als solcher definitionsgemäß Abweichungen nach oben und unten erlaubt. Eine einseitige Orientierung an der Durchschnittsbelegung führt vorschnell dazu, von einem Bettenüberhang oder nicht genutzten Betten zu sprechen.

Auch darf nicht verkannt werden, dass die räumliche Verteilung der Betten bei der Ermittlung der durchschnittlichen Bettenauslastung eine Rolle spielt. Nicht genutzte Betten in dem einen Landesteil können zu stark genutzte Betten in einem anderen Landesteil nicht entlasten.

Fazit

Ein Bettennutzungsgrad von 76,1 % bedeutet nicht, dass 24,9 % der Krankenhausbetten abgebaut werden können. Die Daten zeigen, dass auch Krankenhäuser, deren Auslastung sich im Rahmen der Bettennutzungsvorgaben befindet, an vielen Tagen im Jahr eine Auslastung von über 100 % aufweisen.

Die fachabteilungsbezogenen Bettennutzungsvorgaben im Krankenhausplan 2015 sollten kritisch hinterfragt werden, da diese aufgrund der weiter gesunkenen Verweildauern nach unten angepasst werden müssen.

Die ausführliche Analyse finden Sie hier.