neu

Begleitforschung zum Modellprojekt Qualitätsverbesserung durch die Einführung von Audits

Auftraggeber: Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
Bearbeiter: Dr. Karl Blum
Beginn: 01.10.1999
Ende: 30.09.2001

Hintergrund

Das klinische Audit ist eine strukturierte fachliche Beratung einer Krankenhausabteilung durch Fachkollegen aus anderen Krankenhäusern mit dem Ziel, die medizinisch-pflegerische Behandlungsqualität zu verbessern. Audits stellen international ein bewährtes Element des Qualitätsmanagements dar. Mit dem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt "Qualitätsverbesserung durch Einführung von Audits", in dem sich die kommunalen Krankenhäuser von Bremen, Hamburg und München zu einem Verbund zusammengeschlossen haben, sollte das Instrument des klinischen Audits für Deutschland modellhaft entwickelt und erprobt werden. Oberstes Ziel des Projektes war die Verbesserung der Patientenversorgung durch strukturierte Audits.

Inhalte des Audits sind insbesondere die klinischen Schlüsselprozesse einer Krankenhausabteilung. Die maßgebliche Basis für die Auditierung bildet die Visitation durch ein berufsgruppenübergreifend besetztes Auditoren-Team, also die von Fachkollegen "vor Ort" ausgeführte Untersuchung der Abteilung. Die Vorbereitung erfolgt an Hand eines Audit-Fragebogens, den die visitierte Abteilung vorab ausfüllt und an das Team sendet. Die Visitation umfasst mehrere Interviews mit den Abteilungsleitungen und Mitarbeitern, eine Besichtigung der Abteilung und ausgewählte Fallbesprechungen. Nach der Visitation erstellen die Auditoren einen schriftlichen Bericht mit Stärken, Verbesserungsbereichen und Handlungsempfehlungen für die visitierte Abteilung. Dieser Audit-Bericht ist Ausgangspunkt für abteilungsinterne Verbesserungsmaßnahmen. Der Erfolg dieser Verbesserungsmaßnahmen wird in einem abschließenden Re-Audit überprüft.

Methodik

Die wissenschaftliche Begleitung zum Audit-Projekt orientierte sich zum einen an den maßgeblichen Prozessschritten des Audit-Verfahrens von der Audit-Entwicklung bis zum Re-Audit. Zum anderen sollten die verschiedenen Gruppen der Projektbeteiligten in die Projektevaluation einbezogen werden. Konkret umfasste die Begleitforschung die folgenden sechs Forschungsmodule: je eine schriftliche Befragung der Entwicklungsgruppen, Auditoren, Steuerungsgruppen und Krankenhausmitarbeiter, die Analyse der Audit-Berichte sowie das schriftliche Re-Audit. In fünf Modulen wurden sehr gute Rücklaufquoten erzielt; lediglich in der Mitarbeiter-Befragung fiel die Ausschöpfung eher mäßig aus.

Ergebnisse

Nach Ansicht der Teilnehmer hat sich das Instrumentarium der Visitation in hohem Maße als praxistauglich erwiesen. Die interprofessionelle und fachgleiche Zusammensetzung der Auditoren-Teams war unstrittig. Struktur, Umfang und Dauer des Visitationsprogramms trafen auf eine sehr hohe Akzeptanz. Die Gespräche während der Visitationen fanden in einer ausgezeichneten, von Kollegialität und Offenheit geprägten Atmosphäre statt. Die Visitation vermittelte ausreichend Hinweise auf Stärken, Verbesserungsbereiche und Handlungsempfehlungen.

Die Audit-Berichte gaben den Visitationsablauf sehr gut wieder. Stärken und Verbesserungsbereiche der Abteilungen waren nach Ansicht der Auditierten sehr gut nachgewiesen, die Handlungsempfehlungen weitgehend nachvollziehbar. Der praktische Nutzen der Handlungsempfehlungen wurde als gut bewertet. Dies galt gleichermaßen mit Blick auf die Patientenversorgung und die Patientenzufriedenheit, die Mitarbeiterorientierung und Führungsqualität, das Qualitätsmanagement und die Ablauforganisation.

Falls Handlungsempfehlungen praktisch aufgegriffen wurden, haben sie nach Einschätzung der Auditierten überwiegend zu nachhaltigen Verbesserungen geführt. Die überwältigende Mehrzahl der Verbesserungen war entscheidend durch das Audit bedingt. Das Audit-Verfahren hat insofern ein großes Potenzial, Verbesserungsmaßnahmen in den auditierten Abteilungen anzustoßen. Sofern die klinischen Audits überhaupt in nennenswertem Umfang umgesetzt wurden, wird ihnen darüber hinaus ein günstiges Aufwand-Nutzen-Verhältnis bescheinigt.

Das Audit-Verfahren hat Einstellungsänderungen zu Gunsten des Qualitätsmanagements in den teilnehmenden Krankenhäusern bewirkt. Allerdings konzentrierten sich diese auf ausgewählte Mitarbeitergruppen, insbesondere Projektverantwortliche, zumeist in Führungsfunktionen, und sonstige gut informierte Krankenhausmitarbeiter.

Trotz einiger Umsetzungsprobleme im Audit-Projekt traf der Audit-Ansatz als solcher auf eine außerordentlich hohe Akzeptanz. Die überwältigende Mehrzahl der Befragten würde das Verfahren im Kollegenkreis weiterempfehlen oder es begrüßen, wenn das Audit-Verfahren als ein freiwilliges Verfahren des Qualitätsmanagements in Deutschland breite Anerkennung finden würde. Für die Projektbeteiligten ist das klinische Audit also eine sinnvolle Variante des Qualitätsmanagements und damit auch prinzipiell für den Routinebetrieb geeignet.

Fazit

Trotz einiger Detailkritik bzw. Verbesserungspotenziale hat sich das klinische Audit im Rahmen des Modellprojektes weitgehend bewährt. Die Übertragbarkeit des Audit-Verfahrens auf andere Kliniken ist somit gewährleistet. Ein allgemeiner Leitfaden für das Audit-Wesen lag bei Projektende vor.