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Das erfolgreiche kommunale Krankenhaus

Auftraggeber: Interessenverband kommunaler Krankenhäuser (IVKK) - www.ivkk.de
Bearbeiter: Dr. Karl Blum, Astrid Hanneken, Stefan König, Margit Schmaus, Dr. Petra Steffen
Beginn: Januar 2010
Ende: April 2010

Hintergrund

Kennzeichnend für das deutsche Krankenhauswesen ist die große Trägervielfalt von öffentlichen, freigemeinnützigen und privaten Krankenhausträgern. Trotz eines überproportionalen Beitrages zur Patientenversorgung wird den Krankenhäusern in kommunaler Trägerschaft wiederholt eine tendenziell geringere Effizienz und Effektivität der Versorgung unterstellt. Vor diesem Hintergrund war es das Ziel des Projektes, die Bedeutung der kommunalen Krankenhäuser sowohl für die Grund- und Regelversorgung als auch für die Spezial- und Zentralversorgung herausarbeiten. Des Weiteren sollten erfolgskritische aber auch -hemmende Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg und die Leistungsfähigkeit von Krankenhäusern in kommunaler Trägerschaft analysiert und anhand ausgewählter Beispiele illustriert werden.

Methodik

In Umsetzung der zentralen Forschungsziele kamenim Projekt drei verschiedene Forschungsmodule zum Einsatz: Sekundäranalysen der amtlichen Statistik, des DKI-Krankenhaus Barometers sowie anderer Quellen, Fallstudien in erfolgreichen kommunalen Krankenhäusern sowie eine Reanalyse des DKI-Management-Reports.

Ergebnisse

Nach den Betten- und Fallzahlen sind die kommunalen Krankenhäuser Marktführer unter den verschiedenen Trägergruppen. Sie sind der größte Arbeitgeber in der Krankenhauwirtschaft mit den meisten Ausbildungsplätzen. Die kommunalen Krankenhäuser sind allen Regionen stark präsent und in ländlichen Räumen sowie in der Zentral- und Maximalversorgung vorherrschend.

Die kommunalen Krankenhäuser sind genauso wirtschaftlich und leistungsfähig wie Einrichtungen anderer Träger. Sie weisen im Durchschnitt ähnliche Kosten je Fall und ähnlich viele Fälle je Vollkraft auf wie freigemeinnützige und private Häuser.

Bei den Trägergruppen haben verschiedene Unternehmensziele unterschiedliche Priorität. Für die privaten Krankenhäuser haben ökonomische Ziele wie die Erhöhung des Umsatzes oder Gewinns aufgrund ihrer eher erwerbswirtschaftlichen Ausrichtung eine höhere Priorität. Demgegenüber haben für die stärker gemeinschaftlich orientierten kommunalen Krankenhäuser regionalwirtschaftliche und versorgungspolitische Ziele wie die umfassende Versorgung der Bevölkerung und die Beschäftigungssicherung am Standort teilweise eine gleichrangige oder. höhere Bedeutung. Die verschiedenen Trägergruppen sind durch ihre unterschiedlichen Zielsetzungen daher nur begrenzt vergleichbar.

Die unterschiedlichen Zielausrichtungen der verschiedenen Trägergruppen spiegeln sich auch in den Rentabilitätskennzahlen und den Betriebsergebnissen wieder. Krankenhäuser in privater Trägerschaft erreichen aufgrund ihrer ökonomischen Ziele der Gewinnerzielung bzw. Gewinnausschüttung erwartungsgemäß höhere Werte bei diesen Kennzahlen. Kommunale Krankenhäuser bilden hingegen Gewinnrücklagen. Diese fließen in Form von Investitionen wieder in das Unternehmen zurück. Private Krankenhäuser schütten ihre Gewinne i. d. R. an die Anteilseigner aus und verfügen daher kaum über Gewinnrücklagen.

Kommunale Krankenhäuser sind insbesondere dann erfolgreich, wenn es ihnen gelingt, eine teilweise noch an Verwaltungsbildern orientierte innerbetriebliche Organisation durch eine moderne Unternehmensführung zu ersetzen. Kennzeichen einer solchen modernen Organisation sind zum Beispiel flexible und schnelle Entscheidungsstrukturen und -abläufe, klar definierte strategische Ziele, weitgehende Entscheidungsfreiheiten und -kompetenzen der Geschäftsführung sowie ein gezieltes Kosten- und Prozessmanagement. Anhand von Fallbeispielen analysiert die Studie weitere erfolgskritische Faktoren für die Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit kommunaler Häuser.

Fazit

Die Trägervielfalt in der Krankenhausversorgung wird auch künftig im Grundsatz erhalten bleiben, selbst wenn sich die Marktanteile zwischen einzelnen Trägergruppen verschieben sollten. Die einzelnen Trägergruppen werden weiterhin spezifische Marktsegmente bzw. Versorgungsschwerpunkte besetzen. Gemessen an den Personal-, Betten- und Fallzahlen werden die kommunalen Krankenhäuser langfristig Marktführer bleiben. Sie werden weiterhin sowohl in der wohnortnahen Grund- und Regelversorgung als auch in der flächendeckenden Spezial-, Schwerpunkt- und Maximalversorgung umfassend präsent sein. Die Trägerschaft ist nicht zwingend ein Garant für Erfolg oder Misserfolg, für Effizienz oder Unwirtschaftlichkeit. So zeigen sich auch innerhalb der Trägergruppen deutliche Unterschiede im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit. Vor allem bei den privaten und kommunalen Krankenhäusern gibt es sehr große Unterschiede innerhalb der Trägergruppe. In beiden Gruppen gibt es sowohl sehr erfolgreiche als auch weniger erfolgreiche Krankenhäuser.

Eine Zusammenfassung der Studie finden Sie hier.