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Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mit ideeller und organisatorischer Unterstützung der Landeskrankenhausgesellschaften

Auftraggeber: Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mit ideeller und organisatorischer Unterstützung der Landeskrankenhausgesellschaften
Bearbeiter: Dr. Karl Blum
Beginn: Januar 2014
Ende: August 2014

 

Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat mit Wirkung zum 01.01.2014 eine Änderung der Qualitätssicherungsrichtlinie für Früh- und Reifgeborene (QFR-RL) beschlossen. Danach werden u. a. definierte Fachkraftquoten für neonatologische Intensivstationen gefordert und strikte Pflegepersonalschlüssel für die pflegerische Versorgung von Frühgeborenen festgelegt.

Methodik

Ziel des Projektes war es, den aktuellen Umsetzungsstand und die Auswirkungen der Vorgaben zur pflegerischen Strukturqualität auf die Perinatalversorgung zu untersuchen. Die Perinatalbefragung war eine standardisierte schriftliche Vollerhebung in den Perinatalzentren Level 1 und Level 2 in Deutschland. Von den 240 Perinatalzentren bundesweit haben 163 Einrichtungen an der Befragung teilgenommen (Rücklaufquote: 68%).

Ergebnisse

Aktuell erreichen lediglich 28% der neoantologischen Intensivstationen die vorgegeben Fachkraftquoten für Pflegekräfte mit einer Fachweiterbildung „Pädiatrische Intensivpflege“. Die Pflegepersonalschlüssel erfüllen – je nach Versorgungsbedarf der Frühgeborenen – nur 30-41% der Perinatalzentren. Die Perinatalzentren erwarten auch mehrheitlich nicht, die Anforderungen an die pflegerische Strukturqualität bis zum Auslaufen von Übergangsregelungen Anfang 2017 erfüllen zu können.

Die Vorgaben zur pflegerischen Strukturqualität führen zu einem deutlichen Anstieg des Personalbedarfs und der Personalkosten auf den neonatologischen Intensivstationen der Perinatalzentren. Demnach steigt der Bedarf an Pflegekräften bundesweit um 43% (+ 2.524 Vollkräfte/VK) und der Bedarf an Fachkräften mit einer Fachweiterbildung „Pädiatrische Intensivpflege“ um 73% (+ 1.365 VK). Durch den Personalmehrbedarf steigen die Gehaltskosten in der neonatolgischen Intensivpflege bundesweit um 44% (+ 129 Mio. €), hinzu kommen Zusatzkosten für Freistellungen zur Weiterbildung in Höhe von 31 Mio. €.

Fazit

Die Vorgaben zur pflegerischen Strukturqualität der QFR-RL sind für die meisten Perinatalzentren in Deutschland mittel- bis langfristig nicht umsetzbar: Den Zentren wird nicht genügend Zeit eingeräumt, die Richtlinie adäquat umzusetzen. Es fehlen überdies die finanziellen Mittel zur Umsetzung. Vor allem aber ist das erforderliche (Fach-)Personal einstweilen nicht ausreichend verfügbar.

Daher müssen zunächst die infrastrukturellen und finanziellen Voraussetzungen für die Umsetzung der QFR-RL geschaffen werden. Bestehende Übergangsregelungen der Richtlinie sind zu verlängern und wesentliche Vorgaben zur pflegerischen Strukturqualität zu überprüfen.

Literatur

Hier können sie die Perinatalbefragung als pdf-Datei herunterladen.