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Grundständige Ausbildungen in der Intensiv- und Psychiatriepflege

Auftraggeber: Deutsche Krankenhausgesellschaft - www.dkgev.de
Bearbeiter: Dr. Karl Blum, Dr. Sabine Löffert, Dr. Petra Steffen
Beginn: Juni 2011
Ende: Oktober 2012

Hintergrund

Die Intensiv- und Psychiatriepflege war und ist in Deutschland überwiegend entsprechend weitergebildetem Personal vorbehalten, daneben noch examinierten Pflegekräften ohne einschlägige Zusatzqualifikation. Angesichts zurückgehender Bewerberzahlen und dem hohen Kostendruck in den Krankenhäusern ist  fraglich, ob der Bedarf an pflegerischen Fachkräften künftig noch gedeckt werden kann. Ein möglicher Lösungsansatz für diese Probleme könnte in der Entwicklung und Etablierung von Direktqualifikationen bestehen, also grundständigen Ausbildungen in der Psychiatrie- und Intensivpflege ohne eine vorherige allgemeine Pflegeausbildung.

Methodik

Ziel der Studie war es,  Chancen und Grenzen einer Direktqualifikation für die Intensiv- und Psychiatriepflege zu analysieren. Dies erfolgte methodisch über verschiedene Module, im Einzelnen Literaturanalysen, Repräsentativbefragungen von Krankenhäusern und psychiatrischen Einrichtungen, Experteninterviews sowie Sekundäranalysen vorhandener Statistiken.

Ergebnisse

Für den Bereich der Intensivpflege ist eine grundständige dreijährige Ausbildung zur sogenannten Intensivpflegekraft (IPK) durch den Klinikverbundes Südwest bereits in der Umsetzung. Die grundständige IPK-Ausbildung bildet die Inhalte der Ausbildung in der allgemeinen Krankenpflege sowie der traditionellen Weiterbildung in der Intensivpflege in wichtigen Teilen ab. Für die Psychiatriepflege liegt ein Grobkonzept für eine Direktqualifikation seitens der Asklepios Kliniken vor, die sich konzeptionell an der Krankenpflegeausbildung orientiert.

Quantitativ können grundständige Ausbildungen in der Intensiv- und Psychiatriepflege – eine hinreichende Verbreitung und Praxisbewährung vorausgesetzt – dazu beitragen, den  Fachkräftemangel abzumildern. Hingegen ist umstritten, ob Direktqualifikationen ein geeignetes Instrument darstellen, um den Personalbedarf auch qualitativ zu decken:

Befürworter von Direktqualifikationen in der Intensiv- und Psychiatriepflege betonen vor allem die Vorteile einer grundständigen Ausbildung verglichen mit Pflegekräften ohne Weiterbildung, die in der Intensiv- und Psychiatriepflege die Mehrheit der Pflegekräfte stellen. Im Vergleich dazu verfügten grundständig Ausgebildete über ein umfassenderes theoretisches Fachwissen und eine größere Praxiserfahrung. Daher seien sie in der Fachpflege erfahrener, reflektierter und kompetenter.

Kritiker von Direktqualifikationen bezweifeln dagegen eine hinreichende pflegerische Basisqualifikation bei den grundständig Ausgebildeten, nicht zuletzt wegen der Kürzung und Komprimierung von allgemeinpflegerischen Ausbildungsinhalten. Damit seien grundständig ausgebildeten Pflegekräfte den Anforderungen auch der Fachpflege weniger gewachsen als dreijährig examinierte Krankenpfleger.

Fazit

Oberstes Ziel der Weiterentwicklung der Aus- und Weiterbildung in der Intensiv- und Psychiatriepflege sollte es sein, so das Fazit der DKI-Forscher,  eine ausreichende Anzahl an Fachkräften für diese Tätigkeitsfelder zu generieren. Sollten die Verantwortlichen in Politik und Selbstverwaltung hierfür keine tragfähigen Konzepte entwickeln, wird die Praxis selbst aktiv werden und ihrerseits nach Lösungen zur Bedarfsdeckung suchen.

Literatur

Hier können Sie die DKI Studie als pdf Datei downloaden:
Grundständige Ausbildungen in der Intensiv- und Psychiatriepflege